Methodik

Kann man einen
Weltmeister ausrechnen?

Ich habe alle Zahlen der WM bekommen und spiele jedes K.-o.-Spiel durch. Hier zeige ich dir meine Hausaufgaben — Schritt für Schritt, mit Bildern. Und ehrlich: wo ich an meine Grenzen komme.

Das KI-Maskottchen
In einem Satz

Ich presse über 50 Statistiken pro Team in eine Stärkezahl von 0–100, rechne daraus jedes Spiel als Wahrscheinlichkeit aus und spiele die ganze WM 20.000-mal durch.

Aber: Ich kenne jedes Team nur aus 3 Spielen. Nimm mich nicht zu ernst.

Mein Weltmeister — mit Ansage

Mein Favorit auf den Titel

Titelchance über alle simulierten Turniere.

Und so schmilzt selbst mein Favorit zusammen

Jede Runde ist ein neues Spiel — der Favorit hat die besseren Karten, aber sicher ist nichts. Wer Runde für Runde meist gewinnt, steht nach sieben K.-o.-Spielen trotzdem nur bei rund einem Drittel.

1 · Woher meine Zahlen kommen

Alles kommt aus einer Quelle: den offiziellen FIFA-Team-Statistiken der WM — für alle 48 Teams, kumuliert über die bisher gespielten Spiele (Gruppenphase und, sobald gelaufen, K.-o.-Runde). Über 50 Kennzahlen pro Team: Tore, erwartete Tore (xG — wie dick die Chancen waren), Pässe, Pressing, Laufwege, Standards, Disziplin. Nichts erfunden, nichts dazugekauft.

Gut zwei Dutzend davon fließen wirklich in meine Rechnung — der Rest ist Beiwerk.

Kein offizielles FIFA-Produkt — ein Hobbyprojekt zur Podcast-Folge. Die Daten gehören der FIFA, die Interpretation der KI. Alle Rohwerte kannst du auf Daten selbst nachschlagen.

2 · So rechne ich

Von der rohen Kennzahl zum Weltmeister — in fünf Schritten.

1

Jede Zahl wird vergleichbar gemacht

Ein roher Wert allein sagt wenig. Ich messe jede Kennzahl daran, wie sie im Schnitt aller 48 Teams liegt. 0 heißt Durchschnitt. Plus heißt besser als das Feld, Minus schlechter — und genau diese +/–-Zahlen siehst du später bei den Stärke-Duellen.

Nur 3 Spiele

Drei Spiele sind eine winzige Stichprobe. Damit ein einziges Gala-Spiel nicht alles verzerrt, ziehe ich Ausreißer vorsichtig zurück Richtung Mittelfeld — Statistiker sagen „Shrinkage". Diesen geglätteten Wert vergleiche ich dann mit dem Feld; heraus kommt die +/–-Zahl von eben (Fachwort: z-Wert).

2

Sechs Stärken pro Team

Aus den passenden Kennzahlen baue ich sechs Team-Qualitäten — die sechs Duelle, die jedes Spiel entscheiden:

AngriffAbwehrKontrolleStandardsAthletikDisziplin
Gegner-Korrektur

Wer gegen starke Gegner glänzt, ist mehr wert als wer schwache Gegner abschießt. Deshalb gewichte ich jede Stärke noch danach, wie hart die drei Gruppengegner waren.

3

Eine Stärkezahl: der Power-Index

Die sechs Stärken verschmelze ich zu einer Zahl von 0–100 — dem Power-Index. Genau die Zahl, die auf jeder Spiel-Seite neben den Teams steht. 50 = Durchschnitt, höher = stärker.

0100

Was im Power-Index wie schwer zählt

Angriff 32 % Abwehr 30 % Kontrolle 16 % Standards 9 % Athletik 7 % Disziplin 6 %

Angriff + Abwehr = 62 % meiner Bewertung. Wer vorne trifft und hinten dichthält, steht bei mir oben — alles andere ist Feintuning.

4

Aus zwei Stärken wird ein Ergebnis

Treffen zwei Teams aufeinander, übersetze ich den Stärke-Abstand in erwartete Tore für jede Seite. Daraus ergibt sich, wie wahrscheinlich jedes Ergebnis ist — 0:0, 1:0, 2:1 und so weiter.

Beispielspiel

Höhe = wie wahrscheinlich genau so viele Tore fallen.

Poisson, Dixon-Coles & der Anker 1,49

Tore folgen ungefähr einer Poisson-Verteilung (seltene, zufällige Ereignisse). Den typisch knappen Fußball-Ergebnissen (0:0, 1:1) gebe ich mit einer Dixon-Coles-Korrektur etwas mehr Gewicht.

Der einzige fest aus den Daten verankerte Wert ist die Tor-Grundrate 1,49 Tore pro Team und Spiel (215 Tore in 144 Team-Spielen). Alles andere sind Stellschrauben, die ich von Hand gesetzt habe.

Im K.-o. gibt es kein Remis: Steht es nach 90 Minuten unentschieden, simuliere ich Verlängerung und Elfmeterschießen — und das Elfmeterschießen ist fast ein Münzwurf.

5

Die ganze WM, 20.000-mal

Ich spiele das komplette Turnier zigtausendmal durch und zähle, wie oft jedes Team welche Runde erreicht und am Ende Weltmeister wird. Genau daraus entsteht der Trichter ganz oben.

Warum „reproduzierbar" gut ist

Ich würfle immer mit demselben Start-Wert (Programmierer nennen das „Seed", hier die 42). Das heißt: Wer meine Rechnung wiederholt, bekommt exakt dieselben Zahlen heraus — nichts ist Zufall im Sinne von „mal so, mal so". Jede Prozentzahl auf dieser Seite lässt sich zurückverfolgen.

3 · Warum die KI dem xG mehr glaubt als den Toren

Die KI geht nicht nach Ruf und auch nicht nach der reinen Torzahl. Der Schlüssel steckt in zwei Buchstaben: xG.

Erwartete Tore (xG) schätzen, wie dick eine Torchance war — egal, ob der Ball am Ende reinging. Ein Lupfer aus 30 Metern, der zufällig sitzt, zählt für die KI weniger als fünf Großchancen, die am Pfosten landen. Die KI glaubt den verdienten Chancen mehr als dem Zufall.

Über alle 48 Teams hängt die Titelchance viel enger an den erwarteten als an den echten Toren:

Je länger der Balken (und je größer die Zahl rechts, von 0 bis 1), desto enger hängen die beiden zusammen. Zusammenhang heißt aber nicht automatisch Ursache — er zeigt nur, worauf die KI hört.

Der Mensch zählt die Tore. Die KI schaut, wie verdient sie waren.

Dasselbe Prinzip trifft die anderen großen Namen: Die KI geht nicht nach Ruf, sondern nach den Zahlen. Wo Brasilien, Argentinien & Co. bei ihr landen, siehst du im Turnierbaum.

4 · Was die KI nicht weiß

Die KI kennt nur kalte Gruppenphasen-Statistik. Alles, was ein Mensch über ein Spiel weiß, fehlt ihr:

Worauf die KI schaut
  • Tore & erwartete Tore (xG)
  • Pässe, Ballbesitz, Pressing
  • Standards, Laufwege, Tempo
  • Disziplin (Karten, Fouls)
  • kleiner Heimvorteil für USA, Mexiko, Kanada
Wovon die KI nichts ahnt
  • Verletzungen & Sperren
  • Aufstellungen & Wechsel
  • Tagesform & Selbstvertrauen
  • Taktik & Trainer-Matchpläne
  • Wetter, Platz, Schiedsrichter, Glück

5 · Wie ehrlich ist das hier?

6 · Wenn echte Spiele dazwischenfunken

Die WM läuft. Meine Absprungbasis ist deshalb immer der Status quo: Sobald ein Spiel gespielt ist, wird es im Turnierbaum zu einem grauen Ergebnis-Feld — mein Tipp dazu verschwindet, das Feld ist erledigt. Die echten Sieger ziehen weiter, und jede dadurch neu entstehende Paarung rechne ich sofort frisch durch.

Live-Ergebnisse kommen von football-data.org. Stand und Uhrzeit stehen im Turnierbaum.

Der Spalt

Durchgerechnet
Spanien gewinnt
vs.
Was wirklich passiert
…wer weiß?

Der Spalt zwischen durchgerechnet und was wirklich passiert — das ist die eigentliche Geschichte. Aus genau diesem Bruch entstehen Drama, Außenseiter und Legenden. Und genau darum geht's in Folge 11.

Emergence · Folge 11

KI im Fußball

Diese Seite ist die Fußnote zur Folge. Wollen wir einen durchgerechneten Fußball? Der lebt doch vom Unberechenbaren — vom Last-Minute-Tor, vom Außenseiter. Genau dieser Spannung geht die Folge nach.